Frauengesundheitspraxis dietrotula

Die Frauengesundheitspraxis dietrotula steht für ganzheitliche Behandlung in der Frauenheilkunde. Die berühmte Namenspatronin Trotula oder Trota hat im 11. Jhdt. n. Ch. an der Universität in Salerno/Italien studiert. Sie verfasste erste akademische Schriften zu Themen wie Frauengesundheit, Schönheit und Ernährung.

Mit dem Titel »de passionibus mulierum« ist es in lateinischer Sprache noch heute nachlesbar und auch für die heutige Zeit interessant. In dem Wort »passion« steckt die Leidenschaft ebenso wie das Leiden. Ihre Behandlungsmethoden sind als ganzheitliche zu bezeichnen. Sie verordnete Phytotherapie wie ihre spätere Kollegin Hildegard von Bingen, aber auch die seelischen Einflüsse auf die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten waren ihr nicht fremd. In Ihrer Anschauung ist sie erstaunlich modern und rät den Frauen, die unter dem Patriarchat zu leiden hatten zu einer Gratwanderung aus »Tricks« und offenem Widerstand um zu ihren Bedürfnissen zu gelangen.

In diesem Sinne sind die Schlüsselwörter für die wir heute stehen: feministisch, ganzheitlich, psychosomatisch eine konsequente Weiterentwicklung oder vielmehr eine Anknüpfung an altes Wissen das immer wieder verschüttet wurde und neu entdeckt werden musste .

Entstehung Frauengesundheitspraxis dietrotula

In den neunziger Jahren entstand eine Fülle von Projekten, die im Bereich Gesundheit, Frauen, Soziales befeuert vom Slogan „das Private ist politisch“ und Personen wie Johanna Dohnal als Frauenministerin eigenständige Ideen verwirklichten. Frauen beraten Frauen, Miteinander Lernen, Le Cri, Hebammenzentrum, Nanaya, Frauengesundheitszentrum Graz, Shambala um nur einige zu nennen. Sie erhielten teilweise staatliche Förderungen, lebten vom großen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und kamen großteils ohne Ärztinnen aus (außer Beratungsangeboten).

Trotula, gegründet 1989 war eine große Ausnahme mit der Öffnung einer ärztlichen Praxis innerhalb eines Frauengesundheitszentrums. Über die ersten Jahre ist einiges zu lesen auf der alten Homepage des Trotula von Judith Binder, heute Windrose. Die Idee war als Praktische Ärztinnen basale Themen der Frauenheilkunde zu behandeln wie Zyklusstörungen, genitale Infektionen, Schwangerschaft und deren Komplikationen und mit den Mitteln der Ganzheitsmedizin wie Phytotherapie, Balneotherapie, Kneippen etc. und einfühlsamen Gesprächen (Psychosomatik) eine Art Hausärztin für Frauen zu sein. Von Anfang an bestimmten die Erkenntnisse des Feminismus das Ziel: Frauen für Frauen stellen ihre Expertise zur Verfügung. Vertrauen für Vertrauen. Eine frühe Form des „informed consent“.

Die enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen (Shiatsupraktikerin, Lebens-und Sozialberaterin, Psychologin, Psychotherapeutin,Sozialarbeiterin, Physiotherapeutin) förderte den Zulauf und es entwickelte sich eine Blütezeit über viele Jahre hinweg. Frauen brachten ihre Ideen ein, hörten einander zu, debattierten, verwarfen Ideen und erfanden Neues. Einer der Höhepunkte dieser Zeit waren die von Trotula, dem Hebammenzentrum und Nanaya gemeinsam veranstalteten Filmtage 1998, 2000 und 2002 im Kino der Volkshochschule Stöbergasse mit den Themen Geburt, Schwangerschaft und Wochenbett in verschiedenen Kulturen, Frauenkörper und ihre Geschichten in ihrem Umfeld.

Mit der Zeit stellte sich eine Art „Inseldasein“ ein. Gesundheitseinrichtungen hatten vielfach die Forderungen ernstgenommen und umgesetzt. Um den Kontakt zu erneuern war es nur konsequent von einer der Ärztinnen das Angebot für eine Fachausbildungsstelle anzunehmen und dabei die neuesten Erkenntnisse der Frauenheilkunde zu erlernen. Es gelang nach der Ausbildung im Krankenhaus eine psychosomatische Ambulanz an der gynäkologischen Abteilung zu installieren und jahrelang zu leiten.

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Vorstellung von medizinischer Betreuung in der Gesellschaft, die paternalistische Einstellung wich der partnerschaftlichen des informed consent. Die Erkenntnisse aus der Psychologie verführten Frauen dazu, die somatischen Aspekte aber auch die genetischen ihrer Erkrankungen zu übersehen, weil den Befindlichkeiten und äußeren Einflüssen zu große Bedeutung beigemessen wurde. Erkenntnisse aus der gendergerechten Medizin sagten, dass die Symptomatik, die Auswirkungen von Krankheiten und sogar die Behandlungen an Frauenkörpern anders zu sehen und zu beurteilen waren als die an Männernkörpern.

Die Tiefenpsychologie schien aus Gründen der geringen Fallzahlen wissenschaftlich zu schwächeln. Die Psychiatrie übernahm die psychosomatische Betreuung, sodass eine integrierte fachpsychosomatische ärztliche Betreuung die Ausnahme blieb. Zweigleisigkeit in der Behandlung - hier Psychologie, da somatische Medizin – war die Regel, zum Nachteil der Patientinnen. Es war und ist einfacher, Krankheiten und deren somatische Seite zu behandeln.

Etwas zu verändern, sei es am Umfeld, in der Familie, an den eigenen Lebensgewohnheiten oder gar gesellschaftspolitisch ist immer schwierig und langwierig. Wir leben in einer Zeit der schnellen Lösungen. Risiken darf es keine geben. Kontrolle ist alles. Dabei hat die Psychosomatik einen schweren Stand.

Dennoch - es leben die 3 Säulen der Frauengesundheitspraxis dietrotula. feministisch ganzheitlich psychosomatisch

Dr. Eva Thurner
Gründerin der Frauengesundheitspraxis dietrotula

FÄ für Frauenheilkunde und psychotherapeutische Medizin, Allgemeinmedizinerin


Ehemals OÄ im Landesklinikum Korneuburg und langjährige Leiterin der dort von ihr gegründeten psychosomatischen Frauenambulanz. Seit November 2024 in Pension

Arbeitet wissenschaftlich in Zusammenarbeit mit der Meduniwien an Themen des Frauenlebens. Derzeit anhand von Interviews zum Erleben der Wechseljahre, zuvor zu 3 Generationen Geburtserfahrung. Sie ist Im Vorstand der ÖGPGG (österreichische Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe), Mitorganisatorin von Tagungen und Filmabenden dieser Gesellschaft mit dem Wiener Stadtkino. Seit langem interessiert sie sich für Medizinanthropologie und Soziologie. Zur psychoanalytischen Lektüre empfiehlt sie: „Kampf um das Unbewusste“ von Christina von Braun und Tilo Held.

Sie hat ein Interesse an künstlerischem Werken und Wirken, insbesondere von Künstler*innen, die sich mit dem menschlichen Körper beschäftigen und hat versucht, diese in ihre Arbeit einzubinden. Last but not least ist sie passionierte Großmutter von 7 Enkelkindern.

Die Begegnungen mit so vielen verschiedenen Frauen, die sich während ihrer beruflichen Tätigkeit ergeben haben, vermisst sie sehr, schätzt sich jedoch glücklich, durch lange Perioden, Frauenleben begleitet und erlebt zu haben.

Portrait Dr. Eva Thurner